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Unternehmernachfolger dringend gesucht
Unternehmernachfolger dringend gesucht
Jahr für Jahr haben mehr als 70.000 Unternehmer in Deutschland ihre Betriebsübergabe zu regeln. Wer einen externen Nachfolger sucht, der kann aus einer Fülle von Möglichkeiten schöpfen. Künftig soll es auch das Angebot einer neuen privaten Universität geben, die gezielt Unternehmernachfolger ausbilden will.
Eine Mahnung vorweg: Zwar verlangen die Hausbanken seit Basel II eine frühzeitige Klärung der Unternehmernachfolge – doch dessen ungeachtet kümmern sich die meisten Inhaber mittelständischer Betriebe um diese existenzielle Kernfrage noch immer viel zu spät. Sie bringen damit das Lebenswerk von Generationen und ihre langjährig Beschäftigten in arge Bedrängnis.
Denn schlägt die Nachfolgelösung fehl, gefährdet dies nicht nur den Fortbestand des Unternehmens, sondern oftmals auch die Existenz von Eigentümer und Belegschaft. Immerhin: Laut einer Studie des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) nimmt das Thema Unternehmernachfolge bei inhabergeführten Betrieben inzwischen eine zentrale Rolle ein.
Doch die Studie bringt auch noch mal die Größenordnung und die Brisanz des Themas auf den Punkt: "Jedes Jahr suchen rund 30.000 Unternehmer einen externen Nachfolger", sagt der wissenschaftliche Geschäftsführer des IfM, Prof. Dr. Frank Wallau. Von der Problematik betroffen seien "zunehmend kleinere Unternehmen. Und aufgrund des überproportionalen Anteils, den kleinere Betriebe an der Gesamtzahl der Nachfolgefälle haben, wird voraussichtlich die Zahl der jährlichen Betriebsschließungen mangels Nachfolger, die derzeit bei ca. 6.000 liegt, steigen".
Deutlich zunehmen wird zudem die Anzahl der Unternehmen, die im Zuge der Nachfolge in den Verkauf gehen, das sind gegenwärtig 21 Prozent aller Nachfolgefälle.
Rückläufig hingegen ist die Zahl der Unternehmen, die mangels familieninterner Nachfolge an Mitarbeiter aus dem eigenen Unternehmen selbst übergeben werden (10,2 Prozent). Und: "Die Existenz von Unternehmen mit nur geringem Unternehmenswert oder von Betrieben, die vom Strukturwandel betroffen sind, in ihrer Nachfolge zu sichern, setzt ein hohes persönliches Interesse beim Inhaber wie auch bei dessen möglichem Nachfolger voraus," gibt der Münchner Rechtsanwalt und geprüfte Finanz- und Anlageberater Dr. Johannes Fiala zu bedenken.
Wie Unternehmer ihre Nachfolge regeln
Betriebsgröße nach Anzahl Mitarbeiter |
0 - 9 |
10 - 19 |
20 - 249 |
250 - 499 |
500 - 999 |
> 1.000 |
Eigentum und Management bleiben in der Familie |
43,8% |
57,7% |
62,2% |
62,7% |
56,5% |
51,4% |
Eigentum bleibt in der Familie - Management von außen |
4,5% |
10,6% |
20,5% |
31,1% |
38,5% |
43,0% |
Verkauf, weil familieninterne Nachfolge nicht möglich |
35,4% |
19,7% |
14,7% |
4,1% |
2,1% |
3,1% |
Verkauf, weil Zukunftsperspektiven unbefriedigend |
7,1% |
7,6% |
2,4% |
2,0% |
2,8% |
2,4% |
Schließung
|
9,2% |
4,4% |
0,2% |
0,0% |
0,0% |
0,0% |
Hinweis: Die Anteilswerte dieser Tabelle berechnen sich ausschließlich aus den Angaben der Unternehmen, die vom Thema Unternehmernachfolge betroffen sind.
(Quelle: IHK-Unternehmensbarometer von Januar 2007, Herausgeber: DIHK Berlin |
Neue Hochschule verspricht Abhilfe
Dennoch wird immer häufiger ein Nachfolger außerhalb der Familie gesucht. Als Gründe nannten Unternehmer bei einer Umfrage der L-Bank Baden-Württemberg, dass keine eigenen Kinder existierten (17 Prozent), die eigenen Kinder zu jung seien (11 Prozent), die eigene Kinder nicht interessiert (58 Prozent) oder nicht geeignet seien (28 Prozent).
Stattdessen gewinnt die Weitergabe des Betriebs an extern akquirierte Führungskräfte an Bedeutung: 2006 konnten mehr als 1.600 Unternehmen via Unternehmensbörse "nexxt-change" an einen Nachfolger vermittelt werden. Diese kostenfreie Börse ist eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, der KfW Mittelstandsbank, des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes.
Unternehmer, die einen Nachfolger suchen, sowie interessierte Übernehmer können ihr Profil über die regionalen Partner online in die Börse ( www.nexxt-change.org) oder bei einem persönlichen Gespräch einstellen.
Gänzlich neue Wege beschreiten will die in Gründung befindliche "Private Hanseuniversität" zu Rostock ( www.hanseuni.de). Peter L. Pedersen, Präsident der privaten Hochschule, kennt die Probleme mittelständischer Unternehmer – auch, wenn es um die gezielte Suche nach geeigneten Unternehmernachfolgern geht. "International ist es absolut üblich", betont Pedersen, "bereits unter Abitur-Kandidaten Ausschau nach künftigem Führungsnachwuchs zu halten und diesem gegen Verpflichtung zur mehrjährigen Mitarbeit im Unternehmen das Studium zu finanzieren".
Mit diesem Ziel hat die Hanseuniversität als erste deutsche Hochschule ihre Studiengänge entsprechend organisiert. Neben dem komprimierten, universitären Studium stehen die Studierenden in jedem Semester fast drei Monate lang dem Unternehmen für eine Trainee-Laufbahn zur Verfügung.
Wer bislang einen Unternehmernachfolger suchte, scheiterte neben der grundsätzlichen Eignung häufig am erforderlichen Vertrauen. In Zusammenarbeit mit der Hanseuniversität kann sich der Unternehmer bis zu drei potenziell geeignete Bewerber aussuchen: Er finanziert ihnen das sechs- bis zehnsemestrige Studium zum Bachelor beziehungsweise Master und kann sie dafür in jedem zweiten Quartal im Unternehmen einsetzten.
Studenten, die das Studium abbrechen, sind vertraglich verpflichtet, die verbrauchten Studiengelder zurückzuzahlen. "Wer das Studium erfolgreich beendet, erhält ein Angebot als Führungskraft im Unternehmen oder im Falle einer Nachfolgersuche das Angebot zur Übernahme des Unternehmens", kündet Uni-Präsident Pedersen an.
Und noch eine Mahnung zum Schluss: "Um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, ist es wichtig, krankes Geäst im Betrieb rechtzeitig zu beschneiden. Die Pflicht zum Risikomanagement bei der Aktiengesellschaft (KonTraG seit 2002 §91 Abs. 2 AkGes.) hat ebenso Ausstrahlungswirkung auf alle übrigen Kapitalgesellschaften, wie GmbH, Limited, GmbH- bzw. Limited & Co KG.
"Die Unterlassung führt den Unternehmer in die Haftung mit seinem Privatvermögen", sagt der Jurist Fiala und verweist dabei auf bewährte Instrumente, wie rechtliches Controlling, finanztechnisches Risikomanagement und Versicherungsmanagement – auch in Bezug auf eine zugesagte betriebliche Altersversorgung für die Mitarbeiter. Letztlich führt auch das Ausschöpfen von Gestaltungsmöglichkeiten durch Ehevertrag, Erbvertrag und Testament – synchronisiert mit dem Gesellschaftsvertrag – zum erhofften Erfolg für den Unternehmer.
Typische Gründe für Unternehmensübergaben
Vorsorge für eine Nachfolgeregelung sollte daher rechtzeitig getroffen werden, nicht nur aus Altersgründen des Inhabers und für den Fall dessen vorzeitigen Ablebens, sondern auch im Hinblick auf mögliche Beeinträchtigungen, etwa: Behinderung, Unfall oder plötzliche schwere Krankheit. Denn von den mehr als 70.000 Unternehmen, die einen Nachfolger benötigen, werden
- 65,6 Prozent aus Altersgründen des Inhabers an einen Nachfolger übergeben (das entspricht 46.500 Unternehmen mit insgesamt 444.000 Beschäftigten)
- 26,2 Prozent aufgrund unerwarteter Ereignisse übertragen (das entspricht 18.600 Unternehmen mit insgesamt 179.000 Beschäftigten)
- 8,2 Prozent an einen Nachfolger übergeben, weil der Inhaber in eine andere Tätigkeit wechselt (entspricht 5.800 Unternehmen mit insgesamt 55.000 Beschäftigten)
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aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt",
Autor: Ralf E. Geiling
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