|
|
|
Startseite
Info-Center
Fachartikel & Checklisten
Unternehmensfinanzierung
Maßkonfektion für alle
Maßkonfektion für alle
Die langfristige Bankenfinanzierung gestaltet sich zunehmend schwierig und ist ohne Stellung von Sicherheiten nahezu unmöglich.
Die Dolzer Maßkonfektionäre GmbH entschied sich aus diesem Grund für eine alternative Finanzierung und nahm als eines der ersten Unternehmen das Anleihe- und Schuldschein Programm, das die Buchanan Capital Group zusammen mit Creditreform für größere mittelständische Unternehmen anbietet, in Anspruch. Creditreform sprach mit Thomas Selkirk, geschäftsführender Gesellschafter der Dolzer Maßkonfektionäre GmbH in Hamburg.
Herr Selkirk, wie sind Sie auf das Anleiheprogramm aufmerksam geworden?
Wir arbeiten schon seit längerem mit Creditreform zusammen, und vor einiger Zeit wurde ich angesprochen, ob wir Interesse hätten, uns extern raten zu lassen. Ich wollte wissen, welchen Vorteil mein Unternehmen davon hätte, und erfuhr so von dem Anleiheprogramm, und dass die Leute von Buchanan und Creditreform auf der Suche nach Unternehmern sind, die Interesse haben, mitzumachen. So verabredeten wir uns zeitnah zu einem Gespräch.
Wie lief das Procedere dann weiter ab? Wie lange dauerte es vom ersten Kontakt bis zur Verfügungsstellung des Geldes?
Ungefähr im August letzten Jahres haben wir von der Existenz des Anleiheprogramms erfahren und relativ schnell unser Interesse signalisiert. Wir erstellen unseren Jahresabschluss zum 30. September, haben dann ungefähr innerhalb von drei Wochen unsere Bilanzen erstellt und uns raten lassen. Zunächst haben wir ein Bilanzrating machen lassen, anschließend das Vollrating. Zwischendurch fand ein Termin mit Buchanan und Ernst & Young statt, bei dem wir unser Unternehmen präsentiert und zahlreiche Fragen beantwortet haben. Das Gespräch wurde auf ungefähr acht bis neun Stunden angesetzt. Die Präsentation ging über etwas mehr als vier Stunden, anschließend haben die Rating Analysten die zugrundeliegende Dokumentation erhalten.
Später erfuhr ich, dass es noch nie ein so kurzes Ratinggespräch gegeben hatte – es hängt eben entscheidend davon ab, wie man sich vorbereitet. Man weiß ja vorher, was für die Ratingspezialisten von Interesse sein könnte und welche Informationen sie benötigen. Anstelle einer Anleihe wurde mir, wenn wir das entsprechende Rating bekämen, eine Schuldverschreibung angeboten. Die Rating-Note die wir erhielten war A minus - aus dem Stand! Das war für uns ein sehr erfreuliches Ergebnis und bestätigte die Richtigkeit des Weges, den wir eingeschlagen haben. Später erfuhr ich, dass man etwa 60 Unternehmen gescreent hat, von denen insgesamt vier genommen wurden.
Warum haben Sie sich für eine Schuldverschreibung entschieden und nicht für einen Bankkredit?
Letztendlich waren es die Konditionen. Wir zahlen einen relativ niedrigen Zinssatz – basierend auf den Ratingergebnissen. Die bessere Kalkulationssicherheit war ebenfalls ausschlaggebend für meine Entscheidung. Die Endtilgung erreichen wir nach sieben Jahren mit einem festgeschriebenen Zinssatz. Da ich davon ausgehe, dass sich die Zinsen in den nächsten Jahren nach oben entwickeln, haben wir somit einen schönen Zinssatz eingeschlossen. Und wir können mit diesem Geld gut kalkulieren und werden bankenunabhängiger. Man hat also nicht ständig die Hausbank im Nacken und eine viel bessere Verhandlungsposition der Bank gegenüber, wenn man keinen Kredit mehr abzulösen hat.
Wir haben mit dem Kapital von Buchanan sofort unsere Kredite abgelöst und sind überall mit unseren Konten im Haben. Unsere Bank war überrascht, als wir eine große Überweisung tätigten, und sie plötzlich aus dem Geschäft waren. Unsere Antwort? Sie haben uns doch die ganze Zeit gepredigt, die Vorgaben nach Basel II zu beachten und uns raten zu lassen. Und wir sind eben einen Schritt weiter gegangen und haben uns nicht intern von der Bank sondern von einem externen Anbieter raten lassen und so neue Finanzierungsmöglichkeiten erhalten.
Apropos Rating-Ergebnisse, Sie haben den Bericht des Vollratings vorliegen – was machen Sie damit?
Dieses Vollrating kann ich jedem Unternehmer empfehlen, weil man viele Informationen darüber erhält, wie man von potenziellen Geldgebern gesehen wird. Wir haben den gesamten Rating-Bericht durchgearbeitet und uns die einzelnen Punkte vorgenommen, bei denen es noch Verbesserungsbedarf gibt, so dass wir hoffentlich nächstes Mal ein A bekommen. Insbesondere mein Controller entwickelt da einigen Ehrgeiz.
Wir haben die Maxime, uns permanent externen Herausforderungen zu stellen. Zum Beispiel haben wir uns ohne Notwendigkeit nach ISO 9001 zertifizieren lassen und arbeiten jetzt an EFQM (European Foundation for Quality Management), dem europäischen Äquivalent zu TQM (Total Quality Management), das ist natürlich auch einer der Gründe warum wir beim Rating gut abschneiden. Und diese Haltung leben wir als Unternehmen. Wenn ein Externer uns darlegt, dass wir in bestimmten Dingen eine Schwäche haben, dann arbeiten wir daran. Zur Offenlegungspflicht kann man stehen wie man will, man sollte aber zumindest Transparenz für sich selbst erzeugen, das heißt für das eigene Unternehmen – dadurch erkennt man nicht zuletzt Verbesserungspotenzial und wird auch interessanter für potenzielle Geldgeber.
Banken wollen das Gefühl haben, dass man ein gutes Controlling hat, dass man alle Prozesse des Unternehmens beherrscht, und dass nicht irgendwo Risiken versteckt sind. Wenn man erkennt, dass eine Person, wenn sie ausfällt, ein riesiges Loch in den Ablauf reißt, dann muss man eben Vorsorge treffen, dass diese Person innerhalb kürzester Zeit ersetzt werden kann. Diese Vorsorge sollte jeder Kaufmann treffen, um langfristig auch sicher und gut dazustehen. Man muss sich immer fragen: Wie stehe ich in den Augen von Investoren da? Buchanan ist eben ein solcher Investor, der zwar keine Beteiligung am Unternehmen, sondern einen Zins erhält. Aber die Leute von Buchanan wollen natürlich sicher gehen, dass ihr Geld gut aufgehoben ist. Deshalb möchte ich natürlich auch deren Meinung hören. Und die wird stark geprägt durch das Rating.
Was machen Sie mit dem Geld?
Wir haben einmal unsere Kredite abbezahlt, und uns dadurch konsolidiert, weil die Zinsen vorher ungleich höher waren. Interessanterweise hat uns unsere Bank daraufhin einen Kredit mit sehr viel günstigeren Konditionen angeboten – es ist immer dasselbe: Wenn Sie Geld haben, kommt noch mehr dazu – und wenn Sie nichts haben, bleibt das auch so. Wir haben uns darüber hinaus ein schönes Liquiditätspolster geschaffen, das uns in unserer jetzigen Expansionsphase schnelle Entscheidungen treffen lässt. Wir möchten ein weiteres Werk bauen – da wird der Zuschlag wahrscheinlich auf Serbien fallen. Und man kann natürlich viel bessere Preise aushandeln, wenn man sofort zahlen kann.
In sieben Jahren erfolgt die Endtilgung – wie geht es dann weiter?
Wir werden dann eine Umschuldung vornehmen – entweder werden wir dasselbe dann noch mal machen oder alles ganz anders. Aber das ist noch lange hin. Das schöne bei uns ist, dass wir ein wachsendes Unternehmen sind. Wir hatten Mitte des Jahres neun Filialen, zum Ende des Jahres 13 und in sieben Jahren voraussichtlich 60. Drei Millionen sind dann für uns nicht mehr so wahnsinnig aufwändig zurückzuzahlen. Am besten macht man es dann so, dass man die Finanzierungen alle paar Jahre überlappend weiterlaufen lässt. So dass man immer die Liquidität hat, die älteren Verbindlichkeiten abzuzahlen.
Mittlerweile gibt es viele Anleiheprogramme, warum haben Sie sich für Buchanan entschieden?
Die Innovationsfreude von Buchanan und Creditreform hat sich in unserem Falle ausbezahlt – sie waren auch einfach am schnellsten. Fast alle Banken gehen inzwischen ähnlich vor – müssen sie auch, um nicht aus dem Geschäft gedrängt zu werden. Das wird natürlich langfristig dazu führen, dass die guten Unternehmen in Deutschland immer mehr und günstigere Kredite bekommen können, auch weil sie in einer sehr guten Verhandlungsposition sind und fast schon wie Konzerne verhandelt können. Die schlechten Unternehmen werden gar kein Geld mehr bekommen, weil die Banken natürlich auch kein Portfolio mit faulen Krediten haben wollen. Diese Anleiheprogramme werden sich nach meiner Auffassung sehr schnell etablieren.
Für mittelmäßig aufgestellte Unternehmen wird das natürlich ein Anreiz sein, nicht länger auf stillen Reserven zu sitzen, sondern sie aufzudecken, darauf Steuern zu bezahlen und die Eigenkapitaldecke zu stärken. Diese alte Idee in Deutschland, seiner Hausbank immer zu sagen:"meine Bilanz sieht so und so aus, aber ich habe ganz viele stille Reserven und ich erklär Dir mal, wo die alle liegen", interessiert niemanden mehr. Wenn man sie nicht in der Bilanz sehen kann, sind sie nichts wert. Und diese Erkenntnis setzt sich immer mehr durch – die angelsächsische Bilanzlegung wird immer mehr greifen.
Wie sind ihre zukünftigen Pläne?
Wie gesagt möchten wir innerhalb der nächsten fünf Jahr etwa 50 bis 60 Filialen eröffnen – europaweit. Auch dabei hilft uns die Anleihe, da wir uns jederzeit schnell entscheiden können, wenn wir ein passendes Objekt finden. Außerdem haben wir angefangen, Filialen mit Innenstadtlage zu eröffnen – früher waren wir immer etwas außerhalb in großen Lofts angesiedelt. Unsere Läden sollen künftig kleiner und zentraler werden, damit wir mehr Laufpublikum generieren können.
Zum Unternehmen
|
Dolzer Maßkonfektionäre ist der größte deutsche Hersteller von Damen- und Herrenmaßkonfektion. In Europa gehört Dolzer zu den führenden Maßkonfektionären. Gegründet wurde das Unternehmen 1963 von Adolf und Margot Dolzer. Im ehemaligen Stammhaus im unterfränkischen Schneeberg wurde seitdem ausschließlich Maßkonfektion produziert, zunächst nur für Herren, seit Ende der 60er Jahre auch für Damen. 1995 wurde Dolzer Maßkonfektionäre von Thomas Selkirk gekauft und seitdem behutsam ausgebaut.
Heute beschäftigt Dolzer rund 440 Mitarbeiter in den Filialen, in der Hamburger Zentrale und im 1999 gegründeten Werk in Tschechien. Dolzer Maßkonfektionäre ist ein vertikal integriertes Unternehmen. Die Maßkonfektion wird ausschließlich in eigenen Werken gefertigt und anschließend in eigenen Filialen verkauft. Neben dem Vertrieb über das Filialnetz wird die Maßkonfektion auch über den Online-Shop angeboten. Hemden und Blusen (zukünftig auch Anzüge und Kostüme) können mit den jeweiligen Maßen des Kunden jederzeit direkt im Online-Shop geordert werden. DCF (Dolzer Corporate Fashion) bedient Unternehmen und Organisationen mit CI-gerechter Kleidung nach Maß. |
|
Kontakt:
Dolzer Maßkonfektionäre GmbH,
Große Elbstraße 47, 22767 Hamburg,
Fon: 040 / 380 385 100,
Fax: 040 / 380 385 299,
Web: www.dolzer.de
|
aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt"
|
|
|